Venedig gilt als eine der fahrradunfreundlichsten Städte der Welt – gut möglich, dass sie dieses Negativranking sogar anführt. Das gilt nicht nur für den berühmten, von Kanälen und schmalen Stegen durchzogenen Teil, sondern auch für den unspektakulären Stadtteil Mestre am Festland, wo ich im Hostel übernachtet habe. Von dort wegzukommen gestaltet sich an meinem ersten richtigen Radltag nämlich gar nicht so leicht: Bis ich den Weg auf die Hauptverbindungsstraße zum Fährhafen gefunden habe, habe ich schon mindestens drei Umwege genommen und mich zweimal verfahren. Aber egal, zum Fährhafen schaffe ich es dann trotzdem noch und von dort geht es zum Lido, einer vorgelagerten, langen Insel, welche die Lagune und damit Venedig vor dem offenen Meer schützt.
Der Lido ist genau genommen auch Teil Venedigs und zeigt, dass das Fahrradfahren hier auch richtig schön sein kann: Verkehrsarme Straßen und schnurgerade Radwege mit toller Aussicht. Von der Fähre aus gibt es außerdem nochmal das kitschige Panorama rund um den Markusplatz und den Dogenpalast zu bestaunen, diesmal vom Wasser aus und bei strahlend blauem Himmel.
Auf der kleinen Insel mache ich erstmal einen Abstecher zum Strand, staune über Wellen und kunterbunte Muscheln. Das Meer fasziniert mich immer wieder aufs Neue und auch wenn ich weiß, dass ich in den nächsten Wochen nie wirklich weit weg davon sein werde, kann ich nun zu Beginn meines Abenteuers gar nicht genug bekommen von der salzigen Luft und dem Rauschen der Brandung.
Ansonsten gibt es auf dem Lido auch nicht viel zu tun: Geschäfte und Restaurants haben fast alle geschlossen, denn nur wenige Touristen verirren sich um diese Jahreszeit hierher. Im Sommer hingegen sorgen die dutzenden Campingplätze und Herbergen bestimmt für geschäftiges Treiben. Im Süden, von Alberoni aus, bringt mich eine weitere kleine Fähre, auf der sogar der Linienbus mitfährt, auf die nächste Insel: Pellestrina. Sie stellt im Wesentlichen eine Verlängerung des Lidos dar und hat ebenfalls eine Schutzfunktion für die Lagune Venedigs. Obwohl man auch auf Pellestrina merkt, dass der (im Moment noch ruhende) Tourismus eine wichtige Rolle spielt, wirkt die südliche Insel doch ganz anders. Bunte Fischerhäuschen, kleine Plätze und Kirchen säumen das Ufer, die Welt hier wirkt friedlich und bilderbuchhaft.
Nach weiteren rund zehn Kilometern auf Pellestrina steht dann die dritte und letzte Fährfahrt für diesen Tag an. An Radeln ist am Festland in Chioggia allerdings nicht gleich zu denken: In der charmanten Kleinstadt findet an diesem Nachmittag ein Kinderfaschingsumzug statt. Schon in Venedig waren die Straßen immer wieder von Konfetti bedeckt, der offizielle Auftakt des berühmten Karnevals findet an diesem Samstag auch in der Lagune statt.
Als es bereits zu Dämmern beginnt, trete ich nochmal kräftig in die Pedale, um die letzten 25 Kilometer bis nach Rosolina Mare zurückzulegen. Den Badeort, der um diese Jahreszeit wie ausgestorben wirkt, wollte ich zwar eigentlich nicht besuchen. Doch über Warmshowers (eine Onlineplattform für Radreisende, auf der man, wenn man eben gerade nicht unterwegs ist, einen kostenlosen Schlafplatz anbieten und im Gegenzug viele interessante Leute aus aller Welt kennenlernen kann), habe ich mir dort eine Übernachtungsmöglichkeit bei Riccardo gesichert. Der wohnt zwar normalerweise auch nicht in der kleinen Wohnung, weiß aber, wie schwer es manchmal sein kann, ein Dach über dem Kopf zu finden. Die gesamte Familie nutzt die Räumlichkeiten in den Sommermonaten für Wochenendurlaube, es stapeln sich Surfboards, italienische Klatschmagazine der letzten 20 Jahre, Rucksäcke und Urlaubsandenken. Warmwasser gibt es erst nach zwei Stunden Heizen eines baufälligen Holzofens – hinter dem mittlerweile offenen Kaminrohr verläuft die Gasleitung für den Herd. Alles etwas rustikal und das Sofa sehr kurz – aber Riccardo ist ein toller Gastgeber und schließlich bin ich vor allem froh, mich nach einem doch langen Tag wohlig in den Schlafsack zu kuscheln.
Wäre da nicht das Problem, dass ich platz- und gewichtsmäßig überhaupt keine Kapazität für Andenken habe, ich hätte hunderte Muscheln sammeln können. Weil es der erste Tag ist, findet aber zumindest eine ihren Weg in meine Tasche und bleibt fortan mein Glücksbringer.
Wäre da nicht das Problem, dass ich platz- und gewichtsmäßig überhaupt keine Kapazität für Andenken habe, ich hätte hunderte Muscheln sammeln können. Weil es der erste Tag ist, findet aber zumindest eine ihren Weg in meine Tasche und bleibt fortan mein Glücksbringer.
Wäre da nicht das Problem, dass ich platz- und gewichtsmäßig überhaupt keine Kapazität für Andenken habe, ich hätte hunderte Muscheln sammeln können. Weil es der erste Tag ist, findet aber zumindest eine ihren Weg in meine Tasche und bleibt fortan mein Glücksbringer.
Nein, durch die Düne kann man nicht radeln - und Sand mag das Fahrrad auch nicht besonders gern. Cool sahs trotzdem aus, wie ich finde.
Nein, durch die Düne kann man nicht radeln - und Sand mag das Fahrrad auch nicht besonders gern. Cool sahs trotzdem aus, wie ich finde.
Auf der Nordwestseite des Lidos, also die, die zur Lagune zeigt, ist es fast windstill und kaum eine Welle zu sehen. Dafür die Berggipfel am Horizont.
Auf der Nordwestseite des Lidos, also die, die zur Lagune zeigt, ist es fast windstill und kaum eine Welle zu sehen. Dafür die Berggipfel am Horizont.
