Für eine Radreise startet meine Unternehmung mit erstaunlich wenig Radfahren: Genau genommen radle ich an Tag eins keine fünf Kilometer. Doch mit der ungewohnten Ladung ist selbst Schieben eine kleine Herausforderung, das Ein- und Ausladen in die Züge eine große.
Mein Abenteuer beginnt also frühmorgens am Dornbirner Bahnhof und ist erstmal recht unabenteuerlich, es geht nämlich für einen Zwischenstopp und letzte Treffen mit lieben Freunden erstmal nur bis nach Innsbruck. Doch selbst als die Anzeige im Zug „Venezia Santa Lucia“ als Endstation verkündet, bin ich noch ein gutes Stück davon entfernt, zu realisieren, dass es jetzt wirklich los geht.
Ganz anders dann in Vendig: Abends stromere ich durch die fast menschenleeren Gassen und finde sogar bis zum Markusplatz (auch da so gut wie niemand, nachts gibt es dort nicht einmal Tauben). Ganz allein bin ich in Venedig dann aber doch nicht: Am nächsten Tag lässt sich dann zumindest mancherort erahnen, wie anstrengend die Stadt voller Touristen sein könnte – insgesamt bleibt es aber sehr ruhig. Da ich ohne Rad unterwegs bin (sogar das Schieben ist strengstens verboten und Venedig damit die wohl fahrradunfreundlichste Stadt der Welt) läuft der GPS-Tracker nicht. So platt wie sich meine Füße abends anfühlen, habe ich aber etliche Kilometer zurückgelegt. In einer Pizzeria lasse ich den Tag zufrieden ausklingen, um schließlich von der Kellnerin zu hören: „Das ist mir noch nie passiert, aber jemand hat bereits Ihre Rechnung bezahlt.“ Meine Gönner haben kein Wort mit mir gewechselt und das Lokal schon verlassen und ich nehme mir vor, irgendwann jemandem einen ebensolchen Gefallen zu erweisen.
