Warum? Warum nicht!

Warum mit dem Fahrrad? Warum schon im Februar? Warum allein und das als Frau?
Das waren nicht nur die drei häufigsten Fragen, die mir gestellt wurden, wenn ich von meinem Vorhaben erzählte. Sondern die drei Fragen, die wirklich jeder stellte. Auf jede der drei kann die Antwort lauten: Warum nicht! Da das aber keine besonders hilfreiche Antwort ist, will ich hier versuchen, ein bisschen genauer zu erklären, was mich antreibt, vollkommen planlos zu verreisen – mit dem Fahrrad, im Winter, allein, als Frau.

Wieder auf große Reise aufzubrechen, in den Tag hinein zu leben und dabei die Welt zu erkunden: Aus dieser Idee hat sich in meinem Hinterkopf unbemerkt und leise schon lange ein großer Traum entwickelt. Nicht erst nachdem ich von meiner siebenmonatigen Neuseelandreise zurückgekehrt bin und zumindest einigermaßen sesshaft war, nicht erst seit während der Lockdowns schon der Grenzübertritt von Deutschland nach Österreich beinahe unmöglich oder zumindest zum echten Nervenkitzel wurde, wollte ich wieder ins Unbekannte aufbrechen. Schon lange zuvor gab es da diese wenig greifbare Idee in meinem Hinterkopf, ein Abenteurerleben zu führen. Zu entdecken und zu staunen und sich gleichzeitig jeden Tag aufs Neue um ganz essentielle Dinge kümmern zu müssen – Schlafplatz, Essen, Wetter – das gefällt mir. Alles andere hat sich dann so ergeben.

Die Frage, warum ich mit dem Fahrrad reisen möchte, hat sich mir selbst gar nicht gestellt. Erst zwei Wochen nachdem ich den Entschluss zur Reise gefasst hatte, kam mir erstmals überhaupt der Gedanke, dass man ja auch mit dem Auto reisen könnte. Das Fahrrad ist seit Jahren mein Fortbewegungsmittel Nummer eins, warum also sollte es nicht auch ein ausgezeichneter Reisebegleiter sein?

Ja, im Februar ist es einigermaßen kalt und winterlich – zumindest in Österreich, in Deutschland und auch in Norditalien. Aufbrechen wollte ich trotzdem um diese Zeit – einfach um des Aufbrechens wegens und weil nicht ganz optimales Wetter nun mal Bestandteil einer jeden großen Reise ist. Mittlerweile (ich schreibe diese Zeilen nach 17 Reisetagen und auf Korsika) kann ich beruhigen: Ich habe bisher kein einziges Mal wirklich gefroren, geregnet hat es bisher ebenfalls nicht und mein Plan, in den warmen Süden zu fahren hat sich auf jeden Fall bewährt.

Ich bin weder besonders menschenscheu, noch brauche ich ständig viel Trubel und andere Leute um mich. Ich bin gern unter Freunden und Verwandten, aber ich bin auch gern allein. Ich denke dann viel nach, führe im Kopf das ein oder andere Selbstgespräch, beobachte aufmerksam, was um mich herum geschieht und freue mich über die Welt. Allein muss ich meine Entscheidungen nur mit mir selbst vereinbaren können – und selbst das ist oft schon schwierig genug, auch wenn es nur um ein Café fürs Frühstück geht. Trotzdem freue ich mich natürlich sehr über Gesellschaft – wer also Lust und Zeit hat, ist herzlich eingeladen, mich auf meinem Weg zu begleiten.
Als Frau allein zu reisen, habe ich selbst bisher nie als besonders tapfer wahrgenommen – ich bin ein Mensch wieder jeder andere. Dass viele es trotzdem so herausragend finden, hat mich nachdenklich gemacht.

Nun bin ich also aufgebrochen, mit fast 30 Kilogramm Gepäck und meinem Fahrrad. Ich habe es auf den Namen „Black Pearl“ getauft – wer die „Fluch der Karibik“-Filme kennt, weiß, dass die Black Pearl einen immer an den Ort bringt, den man gerade am meisten braucht. Getreu dieser Tugend lasse auch ich mich von meiner Begleiterin leiten und mich treiben – in den Tag, in die Welt hinein. Wohin, wie lange und mit welchem Ziel, das weiß allein der Wind.

2 Kommentare zu „Warum? Warum nicht!“

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